Stillen tut weh – warum das nicht normal ist und was wirklich hilft
15. Juli 2025 · 8 Min. Lesezeit
Du sitzt auf der Bettkante, dein Baby hat Hunger, und du spürst schon jetzt, wie sich alles in dir zusammenzieht. Nicht vor Freude. Vor Angst. Weil du weißt: Gleich tut es wieder weh. Das Anlegen, das Saugen, der stechende Schmerz, der dir die Tränen in die Augen treibt. Und danach die wunden, rissigen Brustwarzen, die bei jeder Berührung brennen.
Wenn du das kennst, möchte ich dir als Erstes sagen: Das muss nicht so sein. Und es ist nicht deine Schuld.
„Am Anfang tut Stillen einfach weh" — warum dieser Satz so schädlich ist
Es gibt kaum einen Satz, den frischgebackene Mamas häufiger hören. Von der Freundin, von der Schwiegermutter, im Geburtsvorbereitungskurs. Und er klingt so plausibel — schließlich ist alles neu, die Brustwarzen sind empfindlich, das Baby saugt kräftig.
Das Problem: Dieser Satz sorgt dafür, dass Mamas Schmerzen aushalten, statt nach der Ursache zu suchen. Wochenlang. Manchmal monatelang. Bis sie irgendwann abstillen — nicht weil sie es wollen, sondern weil sie nicht mehr können.
Die Wahrheit ist: Eine gewisse Empfindlichkeit in den ersten Tagen ist normal. Aber Schmerzen, die dich zum Weinen bringen, Risse, Blut, Krusten — das ist nicht normal. Das ist ein Zeichen, dass etwas angepasst werden kann. Und meistens ist die Lösung einfacher, als du denkst.
Die häufigsten Ursachen für Schmerzen beim Stillen
Wenn Stillen wehtut, liegt es in den allermeisten Fällen nicht an dir und nicht an deiner Brust. Es liegt fast immer an einem dieser Faktoren:
Das Anlegen stimmt nicht ganz
Das ist mit Abstand die häufigste Ursache. Wenn dein Baby beim Trinken nicht genug Brustgewebe im Mund hat und nur an der Brustwarze saugt, entsteht ein Druck, für den die Haut nicht gemacht ist. Der Mund deines Babys muss weit geöffnet sein, die Lippen nach außen gestülpt, und es braucht nicht nur die Brustwarze, sondern auch einen guten Teil des Warzenhofs im Mund. Klingt in der Theorie einfach — in der Praxis braucht es oft jemanden, der zusammen mit dir draufschaut.
Die Stillposition passt nicht
Wenn dein Baby nicht Bauch an Bauch bei dir liegt, seinen Kopf drehen muss oder zu weit weg von der Brust ist, muss es stärker saugen und zerrt dabei an der Brustwarze. Manchmal ist es nur eine kleine Anpassung — ein Kissen anders, das Baby ein Stück höher — die den Unterschied macht.
Ein verkürztes Zungenbändchen
Manche Babys können die Zunge nicht weit genug herausstrecken, um die Brust richtig zu erfassen. Das führt zu einem ungünstigen Saugmuster und oft zu starken Schmerzen bei der Mama. Ein verkürztes Zungenbändchen ist häufiger als man denkt und lässt sich von einer erfahrenen Stillberaterin oder einem Kinderarzt erkennen.
Soor (Pilzinfektion)
Wenn die Schmerzen brennend sind und auch zwischen den Stillmahlzeiten nicht nachlassen, kann eine Pilzinfektion dahinterstecken. Kleine weiße Punkte im Mund deines Babys können ein Hinweis sein. Soor muss bei Mama und Baby gleichzeitig behandelt werden.
Milchstau oder Brustentzündung
Wenn die Brust hart, heiß und gerötet ist, oft mit Fieber verbunden, deutet das auf einen Milchstau oder eine beginnende Mastitis hin. Das ist ein Grund, schnell zu handeln — nicht abzuwarten.
Was du JETZT tun kannst
Nicht jedes Stillproblem braucht sofort professionelle Hilfe. Aber jedes Stillproblem verdient Aufmerksamkeit. Hier sind erste Schritte, die oft schon spürbar helfen:
Achte auf das Anlegen. Dein Baby sollte den Mund weit öffnen, bevor es andockt. Warte den Moment ab, in dem der Mund richtig weit auf ist — und bringe es dann zügig zur Brust. Nicht die Brust zum Baby, sondern das Baby zur Brust. Die Unterlippe sollte möglichst weit vom Brustwarzenrand entfernt sein, das Kinn berührt die Brust.
Probiere verschiedene Positionen. Rückenlage (Laid-back-Stillen), Seitenlage, Football-Haltung — jede Position verändert den Druck auf die Brustwarze. Manchmal hilft ein Wechsel schon enorm. Besonders die zurückgelehnte Position, bei der dein Baby bäuchlings auf dir liegt, aktiviert seine natürlichen Reflexe und kann das Anlegen erleichtern.
Lass Luft an die Brustwarzen. Nach dem Stillen: BH kurz weglassen, ein paar Tropfen Muttermilch auf der Brustwarze verteilen und an der Luft trocknen lassen. Muttermilch enthält entzündungshemmende Stoffe und unterstützt die Heilung (nicht bei entzündeten Brustwarzen).
Pflege bewusst, aber einfach. Bei wunden Brustwarzen 2x täglich mit ph-neutraler Seife oder Kochsalzlösung waschen.
Hol dir Hilfe — und zwar früh. Wenn die Schmerzen nach den ersten Tagen nicht besser werden, wenn du Risse oder Blut siehst, wenn du Angst vor dem nächsten Stillen hast — dann warte nicht. Eine einzige Beratungsstunde kann den Unterschied machen zwischen Abstillen aus Verzweiflung und einer entspannten Stillzeit.
Warum so viele Mamas zu lange warten
In meiner Beratung höre ich immer wieder den gleichen Satz: „Ich hätte mich viel früher melden sollen."
Die Gründe, warum Mamas so lange aushalten, sind fast immer dieselben: Sie denken, es gehöre dazu. Sie haben Angst, zu übertreiben. Sie haben schon so viele verschiedene Tipps bekommen, dass sie nicht wissen, wem sie noch vertrauen sollen. Oder sie glauben, wenn sie es nicht alleine hinbekommen, sei das ein Zeichen von Versagen.
Nichts davon stimmt. Stillen ist natürlich — aber es ist nicht automatisch einfach. Über 90 Prozent aller Mamas klagen zu Beginn über empfindliche Brustwarzen. Und ein Drittel stillt vorzeitig ab, weil die Schmerzen zu groß werden. Das liegt nicht an den Mamas. Das liegt daran, dass die Unterstützung oft zu spät kommt, zu oberflächlich ist oder aus widersprüchlichen Tipps besteht, die nicht zur individuellen Situation passen.
Was eine Stillberatung anders macht
In einer Stillberatung schaue ich mir eure Situation ganz individuell an: Wie legst du an? Wie saugt dein Baby? Wie sieht die Brustwarze nach dem Stillen aus? Gibt es Anzeichen für ein verkürztes Zungenbändchen oder andere Faktoren?
Das Besondere an meiner Beratung: Ich komme zu euch nach Hause. Das heißt, ich sehe eure echte Stillsituation — euer Sofa, euer Stillkissen, eure Position. Nicht eine nachgestellte Szene in einer Praxis. Und weil ich neben der Stillberatung auch Schlaf- und Beikostberaterin bin, schaue ich immer auf das große Ganze. Denn Stillen, Schlafen und Ernährung hängen enger zusammen, als die meisten denken.
Ich komme zu euch in Sankt Augustin, Bonn, Siegburg, Troisdorf, Hennef und dem gesamten Rhein-Sieg-Kreis. Oder wir treffen uns online.
Du möchtest mehr über mein Angebot erfahren? Hier findest du meine Stillberatung im Detail. Und wenn Stillen und Schlafen bei euch zusammenhängen – was sie fast immer tun – schau dir auch meine Schlafberatung an.
Du hast Schmerzen beim Stillen?
Du musst das nicht aushalten. In einer Stillberatung schauen wir gemeinsam, was euch helfen kann — bei euch zu Hause oder online.
Du möchtest mehr über bindungsorientiertes Schlafen erfahren? Hier findest du meine Schlafberatung im Detail. Und wenn Stillen auch abseits vom Schlafen ein Thema für dich ist, schau dir meine Stillberatung an.
Janina Milz
Janina ist BFB bindungsorientierte Familienbegleiterin® und berät Familien im Raum Bonn und Rhein-Sieg-Kreis zu den Themen Schlaf, Stillen und Beikost.
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